Ausbruch auf Kreuzfahrt
An Bord eines Kreuzfahrtschiffs bricht ein tödliches Virus aus. In Zürich wurde nun ein weiterer Patient positiv auf das Hantavirus getestet.
Zürich – In der Schweiz wurde eine Person positiv auf das Hantavirus getestet, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilt. Der Mann war zuvor Passagier auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“, auf dem das Virus im April ausgebrochen war. Der Patient wird derzeit im Universitätsspital Zürich (USZ) behandelt, wo er unmittelbar nach dem Auftreten von Symptomen isoliert wurde.
Auch seine Ehefrau, die ihn auf der Reise begleitete, hat sich vorsorglich in Selbstisolation begeben, obwohl sie bislang keine Symptome zeigt. Bei der Infektion handelt es sich um das Andesvirus, eine Variante des Hantavirus, die in Südamerika vorkommt. „Wir vermuten, dass es bei sehr engem Kontakt eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt“, erklärt WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerkhove bei einer Pressekonferenz in Genf.
Eine Infektion mit Hantaviren erfolgt primär durch den Kontakt mit Nagetieren wie Mäusen oder Ratten sowie deren Ausscheidungen. Besonders tückisch ist die Übertragung über aufgewirbelten Staub, der getrocknete Sekrete enthält – ein Risiko, das vor allem bei Reinigungsarbeiten in staubigen Schuppen oder auf Dachböden besteht. Während die Symptome zunächst einer klassischen Grippe ähneln, können die Viren zusätzlich die Nieren schädigen. Schwere Verläufe sind zwar selten, stellen jedoch eine ernsthafte Gesundheitsgefahr dar. (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit)
Da das Virus nur bei engem Kontakt übertragen wird, hält das BAG weitere Fälle in der Schweiz für unwahrscheinlich. Das USZ sei ebenfalls auf solche Fälle vorbereitet, könne den Mann betreuen und gleichzeitig die Sicherheit des Personals und anderer Patientinnen und Patienten gewährleisten. Für die Schweizer Bevölkerung bestehe ebenfalls kein erhöhtes Risiko.
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt vorerst Entwarnung. Das Risiko für die Weltbevölkerung wird aktuell als gering eingestuft. Dennoch behalten die Fachleute die Lage genau im Auge und passen ihre Bewertung an, sobald es neue Erkenntnisse gibt.
Am 2. Mai 2026 wurde der WHO ein Cluster schwerer Atemwegserkrankungen an Bord des Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ im Atlantik gemeldet. Zwischen dem 6. und 28. April erkrankten insgesamt sieben Menschen an schweren Atemwegsproblemen, die mittlerweile als Hantavirus-Infektionen eingestuft werden. Das Virus äußerte sich durch:
Aktuell arbeiten die WHO und nationale Behörden unter Hochdruck daran, die Infektionskette zu rekonstruieren, heißt es in einem Artikel des Deutschen Ärzteblatts. Dabei stehe die Frage im Zentrum, ob das Virus direkt an Bord übertragen wurde oder ob einzelne Reisende die Infektion aus Südamerika oder von anderen Zwischenstopps eingeschleppt haben.
Drei der knapp 150 Passagiere sind seit Anfang April mutmaßlich in Folge des Virus gestorben. Das Schiff war vom Süden Argentiniens aufgebrochen und lag bis zuletzt vor der Küste von Kap Verde fest. Spanien erlaubte dem Schiff zwar, im Hafen der Kanarischen Inseln einzulaufen. Dem spanischen Radiosender Onda Cero zufolge stellt sich der Regierungschef der Inselgruppe, Fernando Clavijo, allerdings dagegen.
Er kritisiert die spanische Zentralregierung scharf dafür, die Inselverwaltung nicht vorab über die Entscheidung informiert zu haben. Clavijo forderte Transparenz über die Hintergründe dieser Entscheidung und betonte, dass der Schutz der öffentlichen Gesundheit auf den Inseln oberste Priorität habe. Während die Zentralregierung den Stopp auf den Kanaren offenbar als notwendigen Teil der Evakuierungs- und Versorgungsstrategie sieht, zeigt sich die Regionalregierung besorgt über die möglichen Risiken und die fehlende Abstimmung zwischen den Behörden. (Quellen: Bundesamt für Gesundheit Schweiz, Bundesministerium für Gesundheit, Onda Cero, Deutsches Ärzteblatt, WHO) (les)
2026-05-06T14:42:31Z