Was auf den ersten Blick harmlos aussieht, bereitet Expert*innen zunehmend Sorgen: Zahnstocher sind derzeit bei vielen Jugendlichen ein echter Trend – vor allem auf TikTok. Doch statt der Zahnhygiene dienen die kleinen Holzstäbchen oft einem ganz anderen Zweck und können für Kinder und Jugendliche gefährlich werden.
In letzter Zeit wurden vermehrt Schülerinnen und Schüler mit Zahnstochern im Mund gesehen – nicht beim Essen, sondern während des Unterrichts oder in den Pausen. An einer Münchner Schule ging man sogar so weit, die Holzstäbchen zu verbieten.
Der Konrektor der Carl-Linde-Realschule, Harald Kraus, erklärte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass vor allem Kinder aus der siebten und achten Klasse betroffen seien. Der Look erinnere eher an „kleine Cowboys“ als an gute Mundhygiene.
Doch nicht das Auftreten ist das eigentliche Problem.
Was viele Eltern nicht wissen: Es gibt Zahnstocher, die mit Aromen versetzt sind – und sogar solche, die Nikotin enthalten. Aromatisierte Zahnstocher sind teilweise auch in deutschen Supermärkten erhältlich und gelten laut Expert*innen zunächst als unproblematisch, solange sie keinen Zucker enthalten.
Die Suchtmedizinerin Andrea Rabenstein warnt jedoch: Gerade für Kinder und Jugendliche können diese Geschmackszahnstocher ein Einstieg sein. Denn sie sehen genauso aus wie die deutlich gefährlicheren Nikotinzahnstocher, die ebenfalls oft aromatisiert sind.
Besonders kritisch ist die Menge an Nikotin. Für eine Studie bestellte Rabenstein Nikotinzahnstocher im Ausland ganz einfach online – eine Alterskontrolle fand praktisch nicht statt. Pro Zahnstocher sind laut ihr zwei bis sechs Milligramm Nikotin enthalten. Zum Vergleich: Eine Zigarette enthält etwa zwei Milligramm.
Hinzu kommt, dass das Nikotin über die Mundschleimhaut besonders schnell ins Blut gelangt. Das kann die Abhängigkeitsgefahr deutlich erhöhen – vor allem bei jungen Menschen.
Da Zahnstocher mit und ohne Nikotin äußerlich nicht zu unterscheiden sind, rät Rabenstein Eltern, aufmerksam zu sein und das Gespräch zu suchen, wenn sie ihre Kinder mit Zahnstochern sehen. Wichtig sei es, altersgerecht über die Risiken von Nikotin aufzuklären und zu erklären, warum diese Produkte keinesfalls harmlos sind.
Ironischerweise werden Nikotinzahnstocher im Internet sogar als Hilfsmittel zur Rauchentwöhnung beworben – für Kinder und Jugendliche stellen sie jedoch ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar.
2026-04-23T11:06:00Z