STUDIE DäMPFT HOFFNUNGEN - DEMENZ-MEDIKAMENTE HELFEN IM ALLTAG KAUM

Antikörper-Medikamente sollen bei Alzheimer im Frühstadium helfen

Seit Herbst 2025 sind die ersten Antikörper-Medikamente gegen Alzheimer auch in Deutschland zugelassen. Sie sollen die schädlichen Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn bekämpfen, die die Demenz auslösen. Doch eine neue Überblicksstudie zeigt jetzt: Die Wirkung der Medikamente hilft den Patienten bei alltäglichen Aufgaben nur wenig.

Bei ersten, leichten Alzheimer-Symptomen wie Gedächtnisproblemen werden seit einigen Monaten Antikörper-Medikamente wie Lecanemab eingesetzt, um Patienten zu helfen. Die Antikörper sollen die Ansammlung der Proteine im Gehirn reduzieren.

„Keine oder nur geringe Unterschiede“

Das Wissenschaftsnetzwerk Cochrane hat in einer Übersichtsstudie jetzt 17 Studien analysiert – mit insgesamt 20.342 Teilnehmern aus verschiedenen Ländern. Das Durchschnittsalter der Probanden lag zwischen 70 und 74 Jahren. Alle Studien haben die Wirkung der Antikörper auf die Demenz untersucht.

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis: Wenn die Amyloid-Proteine entfernt werden, bremst das den Rückgang der Gedächtnis- und Denkfähigkeit innerhalb von 18 Monaten kaum. Auch im Alltag war die Wirkung des Medikaments gering: Die Patienten konnten nicht wesentlich besser einkaufen, ihre Finanzen verwalten, Medikamente einnehmen oder Verkehrsmittel nutzen.

Die Antikörper verursachen zusätzlich wahrscheinlich mehr Hirnschwellungen und Mikroblutungen als ein Placebo. Andere schwerwiegende Nebenwirkungen oder Todesfälle treten im Vergleich zu einem Placebo allerdings nicht häufiger auf. Die Forscher schränken allerdings ein, dass die Studien alle eine recht kurze Laufzeit hatten und eine Langzeitwirkung bisher nicht überprüft werden konnte.

Auch Expertengremium ist nicht überzeugt

Ein weiterer Dämpfer kommt vom Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken (G-BA). Er stellt für die beiden Antikörper-Wirkstoffe Donanemab und Lecanemab fest: „Einen Zusatznutzen konnten wir auf Basis der vorliegenden Daten nicht feststellen – leider, das sage ich ganz ausdrücklich“, betonte der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken laut einer Mitteilung. „Denn hier waren die Erwartungen von Betroffenen, ihren Familien und der Ärzteschaft selbstverständlich groß.“ Für Patienten mit leichter Demenz zeigte sich kein Vorteil, für Patienten mit leichter kognitiver Störung fehlten Daten zum Zusatznutzen.

„Die Entscheidung des G-BA zeigt, wie schwierig es derzeit ist, den Nutzen neuer Alzheimer-Therapien eindeutig zu bewerten“, sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft der Alzheimer Forschung Initiative. „Donanemab setzt sehr früh im Krankheitsverlauf an – genau dort, wo Veränderungen oft nur klein und schwer messbar sind. Dass kein Zusatznutzen festgestellt wurde, bedeutet nicht, dass die Therapie wirkungslos ist.“

Donanemab und Lecanemab können trotz dieser Beschlüsse zunächst weiter verordnet werden, langfristig ist das jedoch fraglich. Der G-BA betont in seinem Beschluss jedoch auch: „Vielleicht zeigt sich im Rückblick doch noch, dass wir hier über Türöffner sprechen, die den langersehnten Durchbruch bei der Behandlung dieser schlimmen Krankheit, die die Persönlichkeit schleichend auslöscht, bringen. Aber das werden wir erst in einiger Zeit auf Basis weiterer Daten sagen können“, so Hecken.

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2026-04-16T18:31:41Z