IN DIESEM LAND WURDE DIE ZUCKERSTEUER ZUM ERFOLG

Ernährung

In diesem Land wurde die Zuckersteuer zum Erfolg

Nach jahrelanger Debatte will auch Deutschland Limonaden, Cola und Co. mit einer Sonderabgabe belegen. Andere Länder sind längst weiter – mit teils guten und teils bitteren Erfahrungen.

Die Wissenschaft ist in dieser Frage ganz klar: Zu viel Zucker schadet der Gesundheit massiv. Ein übermäßiger Konsum steigert nicht nur das Risiko für Karies und Übergewicht. Auch Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit können von zu viel Zucker mit ausgelöst werden, sogar das Risiko für die Entstehung verschiedener Krebsarten steigt, heißt es auch im Gesundheitsportal des Bundes.

In Zeiten knapper Kassen will die Bundesregierung nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Geld für den Haushalt mobilisieren und gleichzeitig die Kosten für das Gesundheitssystem senken. Möglich machen soll diesen Doppelwumms eine neue Steuer auf zuckergesüßte Getränke. Gelten soll die Abgabe, für die es international bereits zahlreiche Vorbilder gibt, ab dem Jahr 2028. So steht es in dem Entwurf für ein Gesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), das helfen soll, die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren.

Die WHO hält eine Zuckersteuer für sinnvoll

Rund 450 Millionen Euro will Warken mit der Abgabe jedes Jahr für den Bundeshaushalt hereinholen. Eingesetzt werden soll das Geld demnach für eine Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung, Details gibt es aber bisher nicht und eine Zweckbindung von Steuern besteht ohnehin nicht.

Für die praktische Ausgestaltung könnte sich die Bundesregierung aber an vielen Vorbildern weltweit orientieren. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erheben mindestens 116 Länder nationale Verbrauchssteuern auf solche Getränke. Die WHO sieht darin eine wirksame Maßnahme zur Förderung gesunder Ernährung. Gerade beim Kampf gegen Adipositas unter Kindern könnte die Maßnahme Erfolg haben.

Als sehr erfolgreich gilt Großbritanniens Weg in dieser Frage. Nach offiziellen Zahlen sank der Gesamtzuckergehalt in Erfrischungsgetränken dort zwischen 2015 und 2019 um mehr als ein Drittel. Die Nichtregierungsorganisation Nesta hat die Regierung in London bei der Ausgestaltung der Abgabe beraten. Nach deren Einschätzung war die Grundlage für diesen Erfolg, dass die Hersteller motiviert wurden, den Zuckergehalt in den Getränken zu reduzieren.

Fanta enthält in Deutschland viel mehr Zucker als in Großbritannien

Eingeführt wurde 2018 ein gestaffeltes Modell, nach dem die Abgabe umso höher ausfällt, je mehr Zucker in einem Getränk enthalten ist. Die Hersteller standen also vor der Wahl, eine Abgabe zu zahlen oder den Zuckergehalt zu reduzieren. Sie bekamen dafür eine Schonfrist von zwei Jahren, um ihre Prozesse und Rezepturen anzupassen, bevor die Steuer greift. Wirtschaftlich führte die Steuer demnach zu keiner zusätzlichen Belastung der Unternehmen. Der Absatz von Erfrischungsgetränken stieg sogar deutlich an. Nach Angaben von Foodwatch enthält etwa Fanta in Deutschland 7,6 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, in Großbritannien nur noch 4,5 Gramm.

Bestätigung für den britischen Weg liefern auch Erfahrungen aus Dänemark. Das Land hat seine Zuckersteuer im Jahr 2014 wieder abgeschafft – mit weitreichenden Folgen. Laut einer Untersuchung des DIW Berlin hatten die Dänen nach einer kräftigen Erhöhung der Abgabe im Jahr 2012 zwar deutlich weniger zuckerhaltige Getränke getrunken. Doch laut einer Befragung war der Zuckerdurst vorwiegend bei Personen gesunken, die ihren Zuckerkonsum schon vorher gut im Griff hatten.

Und als die Steuer komplett abgeschafft wurde, sanken nicht nur die Preise um beinahe ein Viertel. Auch der Konsum stieg deutlich an. So liegt die Schlussfolgerung nahe, dass nach dem gescheiterten Experiment die Menschen, die Probleme haben, ihren Zuckerkonsum zu begrenzen, sogar mehr Softdrinks tranken als vorher. Der Zuckergehalt der Getränke sank aber nicht.

2026-04-29T14:53:52Z